Ärzte ohne Grenzen fordert Notrettung eingesperrter Flüchtlinge nahe des Kampfgebiets in Tripolis

Gespeichert von Seebruecke am Di., 07.05.2019 - 17:56

Zum Empfang des Regierungschefs der libyschen Einheitsregierung, Faris al-Sarradsch, in Berlin heute Abend sagt Philipp Frisch von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland:

„In Tripolis sind weiterhin mehr als 3.000 willkürlich eingesperrte Flüchtlinge und Migranten nahe der Kampfzone in akuter Gefahr. Einige dieser Internierungslager befinden sich nur wenige Kilometer von der Front entfernt und mehrmals hat es in der Umgebung Luftangriffe gegeben. Artilleriegeschosse sind nur wenige hundert Meter von den Internierungslagern entfernt eingeschlagen. Dennoch bleiben diese Menschen eingesperrt und können nicht einmal vor den Kämpfen fliehen.

Bundeskanzlerin Merkel und der von Deutschland und der EU unterstützte Regierungschef Faris al-Sarradsch müssen sofort Notmaßnahmen zu ihrem Schutz ergreifen. Die Flüchtlinge und Migranten, darunter Schwangere und Kinder, müssen umgehend aus Libyen heraus in Sicherheit gebracht werden. Eine Rettung von 146 Menschen nach Italien vor wenigen Tagen zeigt, dass das möglich ist. Allen, die nicht sofort ausgeflogen werden können, muss mindestens sofort freigestellt werden, die Internierungslager zu verlassen, um sich selbst in Sicherheit bringen zu können. Das Zurückbringen von Schutzsuchenden vom Mittelmeer nach Libyen muss sofort beendet werden. Die EU muss für Seenotrettung im Mittelmeer sorgen und sofort die Blockade ziviler Rettungsschiffe beenden.

Es ist unfassbar, dass Deutschland und die EU fast nichts zur Rettung von Schutzsuchenden tun, für deren Lage sie mitverantwortlich sind. Sogar in den vergangenen Tagen wurden mehr als 250 Bootsflüchtlinge durch die von der EU unterstützte libysche Küstenwache auf dem Mittelmeer aufgehalten und entgegen internationalem Recht nach Libyen zurückgezwungen. Diese Menschen sind jetzt in Libyen eingesperrt, obwohl viele von ihnen genauso schutzbedürftig sind wie die nach Italien Evakuierten. Das spricht allen Grundsätzen des Flüchtlingsschutzes Hohn.“

Libyen ist kein sicherer Ort

Seit Ausbruch der Kämpfe in der libyschen Hauptstadt Tripolis Anfang April sind alle Zivilisten in der Region in massiver Gefahr. Mehr als 50.000 libysche Zivilisten sind geflohen. Besonders gefährdet sind mehr als 3.000 Flüchtlinge und Migranten, die in Internierungslagern der libyschen Einheitsregierung unter Faris al-Sarradsch willkürlich nahe den Kampflinien festgehalten werden.

 Spiegel Online / 5.5.2019 / Kommentar von Maximilian Popp: Barbarei im Namen Europas