#Moonbird: Verzweifelte Fluchtversuche

Gespeichert von Seebruecke am So., 12.05.2019 - 22:32

Die Sea-Watch 3 ist auf dem Weg ins Einsatzgebiet. Wie dringend sie dort gebraucht wird, zeigten die letzten 48 Stunden: Mindestens 8 Boote, darunter ein gekentertes mit vermutlich bis zu 70 Toten; mindestens 240 zurück nach Libyen verschleppte Menschen; unsere Luftaufklärung im Dauereinsatz. Einen besonders verzweifelten Fluchtversuch beobachtete die Crew der #Moonbird am Samstag:

Während einer Abfangaktion durch die sogenannte Libysche Küstenwache sprangen mehrere Menschen von einem Schlauchboot, das schon seit dem Vortag unterwegs war. Um der illegalen Rückführung nach Libyen zu entgehen, schwamm eine*r von ihnen zum in der Nähe wartenden Offshore-Versorgungsschiff Vos Triton, das den Fall beobachtet aber nicht eingegriffen hatte. Das Schiff versuchte erst wegzufahren, konnte aber von der Crew über Funk zum Anhalten bewegt werden. Drei weitere Schwimmende, die es nicht zur Triton schafften, suchten auf den Überresten ihres bereits zerstörten Schlauchbootes Zuflucht. Doch weder das Treibholz noch das europäisch geflaggte Schiff boten Schutz: Die Libyer wurden an Bord der Vos Triton gelassen und nahmen den oder die Schwimmer*in gefangen, zusammen mit zwei weiteren Menschen, die vermutlich bereits in der Nacht zuvor zu dem Schiff übergesetzt hatten. „Jedes dieser Boote, die sich im Moment auf den Weg machen, gleicht einer Verzweiflungstat, doch das Bild dieser Menschen, die sich schwimmend zu retten versuchen bleibt im Gedächtnis,“ sagt Neeske Beckmann, Tactical Coordinator auf der #Moonbird. "Die EU koordiniert mittlerweile ganz offen den Völkerrechtsbruch an ihrer Außengrenze, indem sie Flugzeuge schickt, die die Libyer zu den Fluchtbooten leiten. Doch deren Inkompetenz führt inmitten des Chaos auch zu ein paar überraschend positiven Zwischenfällen: So rettete, nachdem die italienische Marine am Donnerstag mit gutem Beispiel voran gegangen war, auch die italienische Küstenwache erneut 68 Menschen, die maltesische 85. Genau um solche Interventionen einzufordern sind wir hier und fliegen weiter fast täglich Einsätze, denn niemand sollte auf See sterben und niemand sollte zurück nach Libyen entführt werden.“