Minderjährige drohen mit Suizid – Sea-Eye wendet sich an maltesisches Gericht

Gespeichert von Seebruecke am Do., 05.09.2019 - 22:56

Am Samstagmorgen rettete die Crew der ALAN KURDI auf dem Weg in die libysche SAR-Zone 13 Menschen aus einem überladenen Holzboot in der maltesischen SAR-Zone. Malta weigert sich die Koordinierung zu übernehmen und verweist an Deutschland. Italien verbot die Einfahrt in italienische Gewässer. Die 13 Männer, davon 8 Minderjährige, wollten nach Lampedusa, hielten aber Kurs auf Sizilien. Einen Kompass gab es nicht. Aus eigener Kraft hätte das überladene Holzboot keinen Ort sicher erreichen können.

  • Italien hält an der Gültigkeit des "Salvini Dekrets" fest
  • Sea-Eye legt Beschwerde vor maltesischem Gericht ein
  • zwei Minderjährige drohen mit Suizid 
  • medizinische Evakuierung zweier Geretteter wurde angefragt

 

Italien hat eine neue Regierung. Die Einsatzleitung der ALAN KURDI erkundigte sich deshalb beim italienischen Innenministerium um 10:25 Uhr, ob das sogenannte "Salvini Dekret" mit der Nr. 53/2019 weiter Gültigkeit habe. Um 12:26 Uhr bestätigte das Ministerium kurz und knapp: "We inform you that the Decree no. 53/2019 is still valid."

Die Einsatzleitung hat der Kemptener Arzt Jan Ribbeck. "Offenbar hält auch die neue Regierung in Rom an dem harten Kurs gegen zivile Rettungskräfte fest", kommentiert Ribbeck.

Malta weigerte sich seit fünf Tagen die Verantwortung für die Koordinierung des Rettungseinsatzes zu übernehmen, obgleich die maltesische Behörde (RCC Malta) niemals bestritt, dass sich der Vorfall in der maltesischen SAR-Zone ereignete. Sea-Eye entschied nun erstmalig Beschwerde vor einem maltesischen Gericht einzureichen, um die Zuständigkeit der maltesischen Rettungsleitstelle gerichtlich feststellen zu lassen.

Derweil verschlechtert sich der Gemütszustand der Geretteten an Bord. Seit Tagen versucht Einsatzleiter Jan Ribbeck die Geretteten zu beruhigen und von der schwierigen Situation abzulenken. Sie schlafen bei schlechtem Wetter an Deck in einem Container. Insgesamt leiden zwei Gerettete seit Dienstag unter schweren Angstattacken und verursachen so auch bei den anderen Geretteten zunehmende Stresserscheinungen. Sie diskutieren immer wieder mit Einsatzleiter Jan Ribbeck darüber, selbst an Land schwimmen zu wollen, auch wenn sie dabei sterben könnten.

"Beide reden nicht nur offen über ihre suizidalen Gedanken, sondern mussten wiederholt davon abgehalten werden, durch die Sicherheitsnetze über die Reeling zu klettern. Wir haben entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen und 24 Stunden Wachen an Deck, aber wir haben jetzt wirklich einen gefährlichen Punkt erreicht und ich mache mir große Sorgen", sagt Ribbeck weiter.

Am frühen Donnerstagnachmittag bat die Einsatzleitung deshalb das RCC Malta darum, die beiden Jungen schnellstmöglich zu evakuieren. Schließlich stimmte die maltesische Rettungsleitstelle der Evakuierung der Betroffenen zu.

"Wir informieren die deutschen Behörden fortlaufend über die schwierige Situation an Bord der ALAN KURDI. Eine politische Einigung ist derzeit jedoch nicht absehbar." sagt Gorden Isler, Sprecher von Sea-Eye. "Die neue Regierung in Rom zeigt schon in ihren ersten Stunden Härte gegen die ALAN KURDI und bietet ebenfalls keine Hilfe an. Offenbar will man den Italienern zeigen, dass es keinen Salvini braucht, um gegen Rettungskräfte anzukämpfen", sagt Isler weiter.