Familie mit Kindern und schwangere Frau dürfen das deutsche Schiff nicht verlassen

Gespeichert von Seebruecke am Mo., 02.09.2019 - 23:00

Am Freitagvormittag setzte die ALAN KURDI Kurs auf Malta. In der Nacht zum Freitag hatte Italien dem 20 Meilen entfernten Schiff einen sicheren Hafen verwehrt und verwies auf die Zuständigkeit des 100 Seemeilen entfernten Nachbarlandes Malta. "Sollte es medizinische Notfälle geben, so könne Malta einen Arzt schicken, hieß es aus der italienischen Rettungsleitstelle in Rom." Auch die Familie aus Cameroon und eine schwangere Frau dürfen nicht nach Lampedusa.

  • 40 Personen in internationalem Gewässer vor Libyen gerettet
  • Seenotrettungsleitstelle in Rom verweist auf die Zuständigkeit von Malta
  • Familie mit Kindern und eine schwangere Frau müssen an Bord bleiben
  • 15 Minderjährige an Bord der ALAN KURDI

 

Nach der Rettung von 40 Menschenleben wartet die ALAN KURDI nun vor der italienischen Insel Lampedusa auf eine politische Lösung für die Geretteten. In sozialen Netzwerken kommentiert der italienische Innenminister, dass Sea-Eye die Menschen zurück nach Libyen bringen solle. Der Bundesregierung wirft Matteo Salvini Erpressung vor.

"Wir haben 40 Menschen gerettet, davon sind 15 Menschen minderjährig und besonders schutzbedürftig. Zwei von ihnen haben den Luftangriff von Tadschura überlebt, um nun von Salvini vor Lampedusa zu Geiseln gemacht zu werden. So wird das menschenunwürdige Geschacher um Einzelschicksale nahtlos fortgesetzt und die ALAN KURDI gibt ihm nach der Gregoretti weiteren Anlass zum Streit mit seinen EU Nachbarn." , sagt Gorden Isler -Sprecher von Sea-Eye e. V.

Nachdem sich Deutschland bei der Verteilung von Geretteten im Falle des italienisches Küstenwacheschiffes "Gregoretti" beteiligte, erwartete man in Berlin wohl auch Entgegenkommen von Rom im Falle des deutschen Schiffes ALAN KURDI. Matteo Salvini nutzt diese Möglichkeit jedoch zum politischen Eklat mit Deutschland.

"Salvini nutzt die Flagge unseres Schiffes und missbraucht die schwierige Situation, auf dem Rücken der geretteten Menschen, für einen politischen Konflikt mit Deutschland. Ihn scheint nur die Frage zu leiten, was ihm innenpolitisch nutzt. Salvini braucht für seine populistische Politik Feindbilder. Dazu gehören Hilfsorganisationen wie Sea-Eye, Flüchtende und seine EU Nachbarn. Ich halte ihn für einen sehr gefährlichen Mann", sagt Isler weiter.

In der Nacht zum Freitag hatte Einsatzleiterin Barbara Held in Lampedusa um die Zuweisung eines sicheren Hafens gebeten.

"Wir haben insbesondere darauf hingewiesen, dass sich eine Familie mit drei Kindern, eine schwangere Frau und 12 weitere Minderjährige an Bord befinden." sagt Barbara Held.

Die ALAN KURDI war zu diesem Zeitpunkt rund 20 Seemeilen von Lampedusa entfernt. Rom verwies jedoch auf die Zuständigkeit von Malta. So befände sich die ALAN KURDI südlich von Lampedusa in der maltesischen SAR Zone und damit in maltesischer Verantwortung. Rom leitete die Anfrage in einer Email an das mehr als 100 Seemeilen entfernte Malta weiter und schrieb, dass Malta einen Arzt senden könnte, wenn es medizinische Notfälle auf der ALAN KURDI gäbe. Auf die besondere Schutzbedürftigkeit zahlreicher Menschen an Bord des Schiffes ging Rom nicht weiter ein. So mussten die Familie aus Cameroon, eine schwangere Frau und 12 Minderjährige eine weitere Nacht auf den Holzplanken der ALAN KURDI verbringen.

In den sozialen Netzwerken forderte der italienischen Innenminister die Hilfsorganisationen weiter heraus. "Mal sehen, wer zuerst müde wird." hieß es dort. Sea-Eye hat nun entschieden Richtung Malta zu fahren.

"Wir werden Matteo Salvini keine weitere Plattform bieten, um diese unwürdige Vorstellung weiter vorzuführen. Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber den geretteten Menschen wahr und fahren nun nach Malta. Noch haben wir das nötige Proviant und Diesel um bis nach Malta zu kommen und können daher diese Entscheidung noch für uns selbst treffen." sagt Gorden Isler -Sprecher von Sea-Eye e. V.